#60
 
 

1840-24-10-1997

by Clemens Tissi

 

Niccolo Paganinis Geige hängt in einem Glaskasten im Palazzo Tursi in Genua. Il Cannone. Es war seine Lieblingsgeige. Ab und zu wird sie aus dem Glaskasten genommen und gespielt. Die meisste Zeit aber hängt sie da unberührt. 1840 ist Paganini in Nizza gestorben. Auf dieser Geige hat er das Caprice Nummer 24 gespielt und den dritten Satz seines ersten Violinkonzertes. Auf Zeichnungen sieht man ihn dastehen wie einen clownesken Baum. Eigenartig soll er sich bewegt haben. Seine Kompositionen sind Aneinanderreihungen virtuoser Tricks; der Nachwelt wollte er Unwiederholbares hinterlassen. Jeder Geiger, der etwas auf sich hält, trägt die Capricen vor, nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern vor allem weil sie schwierig zu spielen sind. Und was als Wunderkind gelten will, kommt nicht umhin, auf einer quietschenden Zwergengeige mehr schlecht als recht vorzutragen, was der Mann komponiert hat, den sie Teufelsgeiger nannten. Es geht in einem Berserkertempo über alle Saiten hin und her und hoch und runter, atemberaubend schnelle Tonfolgen, der Bogen hüpft, hetzt die Töne vor sich her.

Liszt hat ein Thema aus dem h Moll Konzert von Paganini verarbeitet zur Etüde La Campanella. Die in der Royal Albert Hall sassen und standen, am 10. August 1997, hörten, wie Evgeny Kissin diese Etüde spielte.

Mancher Frühling ist in Nizza so warm wie in London der Hochsommer.

 

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