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In den verdammten aber wohl goldenen Zwanzigern war der Alex neben dem Potsdamer Platz der Inbegriff der Weltstadt Berlin. Viele der Gebäude und Bahnbrücken trugen große Leuchtreklametafeln, die die Nacht zum Tag machen sollten. Das Gesicht des Alex änderte sich ständig. Die Berliner Zigarettenfirma Manoli warb mit einem Ring aus Neonröhren, der um eine schwarze Kugel kreiste. Zigaretten waren cool, modern und schnell. Das Tempo der Stadt nannte das Berlinische Wörterbuch dann auch „total manoli“. Kurt Tucholsky widmete den Fluppen ein Gedicht und der Komponist Rudolf Nelson machte daraus die allerdings und nachgerade legendäre Revue Total manoli.(nie gehört!) Und dann natürlich Döblin. Hat das eigentlich jemand gelesen? Dieses schrecklich grobe und scheußlich deutsche Buch? “Berlin Alexanderplatz”, Faßbinders Fernsehfilme waren eine Gnade dagegen. Dunkel, schwer, schwul. Nur Faßbinder konnte das hinkriegen. Walter Ruttmann hat Die Sinfonie der Großstadt 1927 auch am Alexanderplatz gedreht. Der Platz „platzte“ bald aus allen Nähten. Inhaltlich, verkehrstechnisch, zu komplex würde man heute sagen. Gott sei Dank kamen dann die Trabbis und es wurde übersichtlicher.
Georg Diez ist Autor des SPIEGEL. Er schrieb für die “Süddeutsche Zeitung” über Theater, für die “Zeit” über Literatur und für die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” über alles. Seine Bücher handeln von den Beatles, den Rolling Stones, vom Theater oder von Berlin. Gemeinsam mit Christopher Roth veröffentlicht er eine Buchreihe über den Epochenbruch der Jahre 1980 und 1981 (“www.8081.biz”). Bei Kiepenheuer & Witsch erschien 2009 sein autobiografischer Bericht “Der Tod meiner Mutter”.