#60
 
 

Alles schon mal da gewesen

by Theresia Enzensberger

 

Wie einem jeder selbsternannte Generationenspezialist bestätigen kann, leben wir in einer Zeit, in der die Menschen dazu tendieren, sich unangreifbar machen zu wollen. Beliebte Mittel hierfür sind Ironie, Referenzen, Diskurskritik oder Obskuritäten. Ich bin leider nicht in der Lage, mich auszunehmen – das hat mir die tägliche Bloggerei hier klar vor Augen geführt. Manchmal beschäftigen mich Themen, bei denen ich das Gefühl habe, sie müssten erst ausführlich recherchiert werden und schon habe ich den Moment verpasst oder den Mut verloren. Mit dem Internet haben sich nicht nur die Recherchemöglichkeiten verbessert, auch die Erwartungen, was eine Person gelesen, gesehen und mitbekommen haben muss, um sich zu äußern, haben sich erhöht. Hinzu kommen das Aktualitätsdogma und die rasante Rezeption durch Trolle und Experten. Die Furcht, jemand anderes habe dasselbe schon gesagt, gemacht oder erfunden (nur besser) ist zeitlos. Aber erst jetzt kann eine simple Google-Suche 500 Blogposts ausspucken, die einem genau das beweisen. Ich bin voller aufrichtiger Bewunderung für alle, die sich davon nicht abschrecken lassen.

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