Manche Leute glauben, es werde deshalb so viel mehr getrunken in der Kunstwelt als in anderen Welten, weil man den ganzen Kunstquatsch nüchtern gar nicht ertragen kann. Nun sind aber auch andere Welten nur alkoholisiert auszuhalten, da muss man sich nur mal bei Medizinern oder Journalisten umschauen. Dass ausgerechnet im Kunstbetrieb so viel mehr getrunken wird als anderswo, basiert vielmehr auf dem Umstand, dass man dort ständig umsonst trinken kann. Und das dann natürlich auch tut.
Dabei ist es ja nicht so, dass noch nie eine Galerie darüber nachgedacht hätte, wie man die Sache mit dem Umsonstalkohol bei Eröffnungen abschaffen könnte, zumal dieser in der Regel an Leute ausgeschenkt wird, bei denen die Bewirtung wirklich umsonst ist, aber bislang trauen sich nur staatlich subventionierte Institutionen, bei Eröffnungen für Getränke Geld zu verlangen.
Die Lösung: das Alkoholentgelt damit legitimieren, dass es zum Getränk noch etwas dazu gibt. So geschehen vor kurzem bei einer Eröffnung im Senatsreservespeicher, wo voller Begeisterung 10 Euro für einen Gin Tonic ausgegeben wurden – weil der Drink in einer limitierten Edition von Tjorg Douglas Beer gereicht wurde, die sich praktischerweise sehr gut als Trinkgefäß eignete. Auch wenn man Gin Tonic normalerweise nicht aus Keramikbechern trinkt.