1997; mein zweiter Sommer in Berlin und der Wunsch nach einem Sommerhaus im Umland wird zur fixen Idee. Ich bin Architekt, leide unter ständigem Entwurfszwang. Anstatt endlich ins erfrischend kühle Nass zu tauchen, stehe ich bis zu den Knien im Schlachtensee und sehe mir auf die andere Seite des Sees ein Haus an den Hang, einen flachen Baukörper mit Glasfront zwischen Kiefern. Im Tiergarten denke ich mir ein Haus an den Wiesenrand, einen länglichen Backsteinbau neben mächtigen Rhododendren. Kaum sehe ich Landschaft, sehe ich ein Haus dazu. Mein Haus. Eine Zeichenmappe, im Arbeitszimmer meiner Wohnung an die Wand gelehnt, ist gefüllt mit Skizzen und ins Reine gezeichneten Plänen 1:100: Grundriss, Schnitt, Fassaden; ein kleines Haus für einen unbestimmten Ort. Im Schlafzimmer steht auf dem Boden neben dem Stuhl am Fenster ein Modell des kleinen Hauses aus brauner Wellpappe, man kann das Dach abheben und hineinsehen in den Wunsch.
Ich weiss nicht, ob Hans Sigmund Jaretzki 1931 ein Model des Hauses für Stephanie Gumpert gebaut hat. Einen Bauplan habe ich, von ihm unterzeichnet und datiert; Berlin, 28. Juli 1931. Abgeheftet, gefaltet in einer Klarsichthülle, im Ordner Haus.