Fünfunddreissig Wände, zehn Toiletten, sechs Säulen, drei Duschkabinen, die Genossen sind begeistert. Jémand steht vor der Kitchenette, sie ist noch nicht da, aber ich kann sie so gut wie sehen, und wie Jémand sich Quark aus dem Kühlschrank holt. Da hängen natürlich nur elektrische Kabel aus der Wand, aber ich sehe so gut wie alles, was hier passieren wird. Mögliche Kombinationen von Jémand und Quark im Wandel der Zeit, halbfertiger Jémand ohne seinen Quark, hungrig, unfertiger Quark ohne Jémand, verrottend. Und so weiter. Ich sehe die Wände, die noch nicht errichtet wurden, die Farbe, die erst noch aufgetragen werden muss, aber wer sieht sie nicht. Ich sage zu Jémand, wir sind fertig hier. Wir verlassen die Szene und durchqueren den Raum, in dem sich das Dickicht der Büroetage ausbreiten wird, gehen durch mehrere zukünftige Ruhezonen, jetzt schon ganz still. Der Raum ist tot, es ist bereits alles geschehen, wir und unsere Abteilungen sind bereits nicht mehr da, wir sind weiter gezogen, so sieht es für mich aus, und doch haben wir den Umzug und den Durchlebungsprozess noch vor uns, wir werden tatsächlich alles noch ein zweites und drittes Mal erleben, Jahre wird es dauern, anstatt jetzt gleich weiter zu ziehen. Wohin, weiss ich nicht, ich kann es nicht erspüren. Ich frage Jémand, geht Dein Gefühl bis in Deine Zehenspitzen. Er schaut auf seine Schuhe und bewegt die Zehen auf und ab, er nickt – das ist aber schön. Wir überqueren den Hof und betreten das sechste Treppenhaus, das letzte des hintersten Hofes, direkt vor der Feuerwand. Ein Treppenlauf mit fünf Stufen, links ein Korridor, Tür, und der Raum für uns und unserer Abteilung, eine L-Form, elf Wände, sechs Sprossenfenster, jedes mit sechzehn Scheiben. Dafür keine Säulen, aber auch nicht viel Licht, der Hof ist wie eine Sinkhöhle, ein Karsttrichter. Auch gut – mehr künstliches Licht. Ich stehe noch in der Tür, Jémand inspiziert Pissoirs und Toiletten. Ich sehe bereits alles. Auch mit diesem Raum bin ich gleich fertig und gehe zum Tor, stehe schon auf der Rampe, die zum Teil überdacht ist, auf ihren letzten Metern liegt Eis und Schnee. Die Rampe wird in ein paar Tagen gesprengt, wir brauchen sie nicht. Dort, wo Jémand jetzt steht, wird es die Rampe nicht mehr geben. Und weiter vorn stehen ein paar Bäume, dort wird ein Gebäude sein. Auf dem Grundstück gegenüber wird eine Industrieanlage errichtet, erweitert, saniert und umgenutzt, und abgebrochen. Vielleicht hilft es an Sonntag zu denken, an meine Strasse und meine fünf Blocks, all die kleinen Räume in denen gleichzeitig gefrühstückt wird. Eine Harmonie vieler identischer Schichten, die leicht versetzt zueinander spielen, weil doch nicht alle exakt dasselbe tun. Ein sonntägliches Rascheln. Ich stelle mir die Eier, das Brot und die Butter vor. Ich konzentriere mich auf das Ei, es ist bereits ausgelöffelt. Die Kuppe ist sauber abgetrennt. Das Licht fällt ins Ei, auf mich und meine Abteilung, die Kuppe schliesst sich über uns, wir sind umgeben von Schale und Licht, Licht und Schale. Der prasselnde Regen, Hagel. Das Gefühl versuche ich zu vergrössern, über die Rampe, hier, die vielen Wände, Säulen, Duschen und Toiletten …