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Ein Bild von einem Duft

by Annika von-Taube

1011_Madeleine_Amy Radcliffe

Für die Konservierung von visuellen Erinnerungen gibt es Fotos, für die Konservierung von olfaktorischen Erinnerungen gibt es – bald vielleicht auch eine Lösung. Riechen ist ja eine viel stärkere Stimulanz als Sehen. Bilder wecken Erinnerungen an etwas, Gerüche erwecken Erinnerungen zum Leben. Leider sind Gerüche flüchtig, das liegt in ihrer Natur. Wären sie es nicht, würde man sie nicht riechen. Riechbar ist nur das, was sich in der Luft verteilen kann. Die Existenz von Gerüchen wird also durch ihre Ungreifbarkeit bedingt, und deshalb ist es verständlich, dass bis heute kein Versuch, Düfte zu konservieren, befriedigende Ergebnisse hervorgebracht hat.

Jetzt aber gibt es etwas Neues auf dem Markt der Duftkonservierungsmaschinen: die „Madeleine“ von Amy Radcliffe. Benannt ist sie nach der „Madeleine-Episode“ im Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust. Der Autor schildert darin, wie die Wahrnehmung eines Geruches unvermittelt verloren geglaubte Erinnerungen hervorbrachte – ein Phänomen, das heute umgangssprachlich als Proustsches Erlebnis bezeichnet wird.

Die Maschine von Amy Radcliffe soll eine Art analoge Geruchskamera sein. Sie nimmt die molekulare Zusammensetzung eines Geruches auf und speichert sie für eine zukünftige Abruf- und Reproduzierbarkeit. Noch funktioniert sie nicht richtig. Aber die Camera Obscura von Leonardo da Vinci machte auch noch keine perfekten Fotos.

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