Die Häuser meiner Kindheit verschwinden; hinter Isolationsplatten, unter Stoyropor.
Ich stehe nach Jahren plötzlich als Fremder auf dem Bürgersteig des Dorfes; der grobe Putz am Gemeindehaus ist verschwunden. An diesem Putz habe ich mir die Fingerknöchel blutig gerieben. Hinderlich waren die Wundpflaster beim Geigenspiel; der Bogen, kaum noch zu halten, fegte unkontrolliert über die Saiten, die Finger der linken Hand griffen Misstöne.
Der Sichtbeton ist verschwunden, die feinen Gräte, entstanden beim Guss quellend zwischen Schalungsbrettern, die kleinen Lufteinschlüsse, die Maserung des Holzes als Relief negativ im grau erstarrten Beton.
Klopfe ich heute an die Häuser meiner Kindheit, klingen sie hohl. Gelb eingefärbter Kunststoffverputz dünn auf zehn Zentimeter Thermoplast. Die Fenster liegen blind in tiefen Löchern, versunken in dicken Isolationsplatten; kein Mass ist mehr wie einmal erdacht vom Entwerfer.
Die Bäckerei ist verschwunden.
Der Wohnblock ist verschwunden. Dort sass ich mit Peter und Karin und dem anderen Peter, den wir Müller nannten, im Treppenhaus auf speckig glänzenden Kunststeinplatten, Querschnitte grauer Kieselsteine flach geschliffen in weissem Zement. An dünne Stäbe des Geländers gelehnt sassen wir und erdachten unser nächstes Spiel. Draussen war Sommer, die Wäsche hing windstill an blauen Kunststoffseilen.
Die Turnhalle ist mit Isolierplatten eingepackt, ebenso das Pfarrhaus.
Das Altenheim ist abgerissen; die Terrasse mit holzlattigen Gartenstühlen, darin sitzend die Todesnahen mit ihren riesigen Ohren, bewegungslos, wartend.