#60
 
 

Everson Museum of Art

by Clemens Tissi

 

 

everson-museum-of-art-Syracuse-NY

Die englische Bildhauerin Rachel White­read hat 1993 in London ein Haus aus­giessen lassen mit Beton. Das ursprüngliche Haus, zur Gussform geworden, wurde niedergerissen. Übrig blieb das, was zuvor der Innenraum des Hauses gewesen war, jetzt in Beton. Erinnerung als Gegenstand.

Für die Pieta hat sich Michelangelo Buo­narroti von aussen durch den Stein gear­beitet, bis er tief in der Kälte des Marmors auf die Form stiess, bis er fand wonach er suchte; den Faltenwurf eines Tuches, die entspannten Arme des toten Jesus.

In einem kleinen Museum in Syracuse, im Nordosten der USA, stehe ich vor acht Metallkörpern. Donald Judd hat die Würfel auf den Boden vor eine Museumswand platziert und plötzlich sehe ich nur noch den Raum zwischen diesen Körpern; es ist der Raum um mich herum, der Raum in dem ich mich befinde und atme, die acht Körper sind plötzlich Leerstellen in diesem Raum.

Die Betonskulptur von Rachel Whiteread stand auf einer Brache in London nur für wenige Wochen.

Wenn ich in Syracuse aus dem Everson Museum of Art trete, stehe ich an einer gottverlassenen Strasse. Neben gelben Linien spriesst Gras aus Rissen im Asphalt, ein leerer Parkplatz gegenüber.

 

 

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