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Freitag

by Pippin Wigglesworth-Weider

Ein dreieckiger Raum in einer ehemaligen Postfiliale, zwei rechteckige und ein quadratischer in einer weiteren Postfiliale, vier in einer Schreinerei, einer in einem pharmazeutischen Labor und ein zusätzlicher in dem daran angrenzenden Finanzamt. Die Räume wurden von ihren Vormietern aus gutem Grund verlassen, wie die Räume die sie nun beziehen, wieder aus gutem Grund verlassen werden, ihn fünf, zehn Jahren, wie die Schnecke so kriecht. An diesen Orten kann wenig Leichtes sein, egal wie wir sie streichen. Seit mich die Suche nach dem neuen Raum beschäftigt, hat sich mein Handgriff um die Bewegungen gelöst, diese Handstarre. Es war das Öffnen meiner Hand, das mir kritische Besichtigungen und das doppelte, dreifache Nein an die Makler erlaubte. Hätte ich mich vom Lauf und Gang der täglichen Arbeit hinreissen lassen, stünden ich und meine Abteilung heute in einer Postfiliale oder einer Schreinerei, wir wären längst eingezogen, wir gingen fröhlich ein und aus, so gut wie es ginge, bereits so gut wie verloren. Die Bewegungen haben ein Gefühl für solche Räume, sie spüren Räume auf, in denen es vor ihnen schon ähnliche Bewegungen gegeben hat. Sobald sie Witterung aufgenommen haben, zerren sie wie eine Dogge, und es braucht einen unbarmherzigen Schlag, eine Keule, um sie wieder zur Vernunft zu bringen. Erst seit ich alle täglich anfallenden Bewegungen an Jémand übergeben, sie ihm an die Hand gegeben habe, und mich allein mit dem neuen Raum beschäftige, sehe ich (am Beispiel von Jémand) mit welcher Zugkraft sie auf mich und meine Abteilung wirken, wohl immer gewirkt haben. Jémand ist bei jeder Besichtigung hingerissen, er ist davon überzeugt den einmaligsten Raum entdeckt zu haben. Er sagt, das ist er, genau der Raum, den wir seit Monaten suchen, er ist perfekt. Er hat auch recht, oder es sind die Bewegungen, die recht haben, jeder dieser Räume würde sich für uns und unsere Abteilungen eignen, sogar das Labor und das Finanzamt, sie wären beinahe perfekt für uns. Nach jeder Besichtigung sagt er zu mir, wir werden nichts Besseres finden, wir dürfen keine Zeit verlieren, jetzt oder nie. Ich sage, Moment, lieber Jémand, hast du nicht etwas vergessen, beruhige dich erst einmal und atme, du bist ja ganz verrückt, du sollst jetzt alle deine Aufgaben fallen lassen, alle diese Sachen, die in deinem Kopf den Platz verschwenden, für sie hast du später noch Zeit, in diesem Moment ist kein Termin wichtiger als dieser, hier, tu mir den gefallen, ob Regale hier passen, ob es in dieser Ecke Starkstrom gibt, wie viel Gewicht der Boden drüben trägt, ob es um die Ecke Essen gibt das schmeckt, Bäumchen gegenüber … alles unwichtig, verstehst du nicht, das ist eine Falle, kleiner Jémand, spürst du das nicht, dies ist ein Jahrzehnt oder mehr, das hier in voller Grösse vor dir steht, seine Arme ausstreckt und nach dir greift, nach uns, Jémand, wir müssen noch vorsichtiger werden, ab jetzt müssen wir zu allem Nein sagen, auch wenn du glaubst, dir wird ein Geschenk gemacht, vertrau mir bitte, sag allen Maklern Nein, und dann sag ihnen sie müssen nicht weiter suchen, es habe sich erledigt, wir müssen das nämlich alles selber machen, von Grund auf, dies Letzte sag ihnen nicht … aber geh, geh jetzt nach Hause, denk nicht mehr an mich und meine Abteilung, es war eine lange, lange … 

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