Wieder im Raum. Eine Mauer lässt mich nicht in Ruhe. Ich sehe alles, was passieren mag, nur an der Stelle dieser Mauer sehe ich nichts. Ich kann es mir nicht vorstellen, und ich will es mir nicht vorstellen. Was ich sehe, ist ein Denkfehler, eine Fantasie, die für meine fehlenden Erinnerungen und Vorhersagen eingesprungen ist, irgend eine Geschichte, eine beliebige Kombination anderer Erinnerungen und Vorhersagen. Ich sehe die ganze Büroetage in dieser Mauer, alle meine Genossen sehe ich in dem Schacht zusammengepresst, der die Rohre transportiert, welche unsere Kitchenette versorgen werden. So dicht beieinander, dass alle und ihre Abteilungen eins geworden sind, wie es für Büroetagen und die Produktivität sinnvoll ist, wie ich einmal behauptet habe. Der Schacht ist so breit wie ein Mensch, doch ich zähle fast vierzig Menschen. Alle und ihre Abteilungen, ausser ich und meine. Ich gehe näher heran und schaue durch eines der Löcher in der Abdeckung des Schachts. Die Genossen sprechen miteinander, obwohl sie eigentlich nicht mehr leben dürften, sie beklagen sich über ihren Raum, er sei viel zu eng, so sei es unmöglich zu arbeiten. Ich bekomme das Gefühl, an all dem Schuld zu sein. In diesem Moment bemerken sie, wie ich durch das Loch zu ihnen hinein schaue, ich erschrecke, sie wittern meine Schuld. Alle schütteln, obschon sie mehr oder weniger eins sind, ihren Kopf und stöhnen, stöhnen mich an und schütteln ihre vierzig Köpfe im Schacht, die Köpfe reiben mit solchem Druck aneinander, dass sie beginnen zu bluten, ich sehe wie die Abdeckung des Schachts und die gelben Dämmstoffe das Blut aufsaugen. Trotz ihrer Schmerzen, die sicher nur gösser werden, hören sie nicht auf ihre Köpfe zu schütteln und meine Raumplanung zu verurteilen. So sieht es für mich aus. Vorsichtshalber klebe ich einen Streifen Kreppband auf den Boden, eine gerade Linie zehn Zentimeter vor der Mauer mit dem Schacht. An dieser Stelle werden die Handwerker eine Wand errichten. Überall wo eine Wand nötig ist, um neue Räume zu schaffen oder um andere Räume abzuschirmen, klebe ich Krepp auf den Boden, und entlang von Wänden und Säulen. Wo ein Schreibtisch, ein Regal oder Sessel stehen wird, ebenso. Ein Modell der Büroetage, um ein Gefühl für das Dickicht zu bekommen. Jedes Mal, wenn ich mich aus der kauernden Position aufrichte, um woanders Krepp auf den Boden zu kleben, wird mir schwindlig und ich verliere für einen kurzen Moment fast das Bewusstsein. Jémand bringt mir einen Krug Wasser und Schüttelbrot. Dann gehen wir in den nächsten Raum, um dort das Krepp auszulegen. Einen Rest Schüttelbrot stosse ich durch das Loch in der Abdeckung des Schachts. Als Opfergabe, für unser aller gutes Glück.