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Grenzen, Grenzen – Süd Libanon

by Livia Valensise

Hinter der Landzunge leuchtet es rötlich. Die Nacht ist blau, das Meer und der Sand leuchten weiß und kalt, Vollmond. Die Röte in der Ferne lässt sich nur erahnen. Von hier, wo wir sitzen, Süd Libanon, können wir den Ort nicht erreichen, die übernächste Bucht, das nächste Land.

Fady erzählt von einem anderen Weg dorthin. Nicht über die Straße, die entlang UN Truppen, Hezbollah Fahnen und sehr großen Khomeini Portraits verläuft. Seinen eigenen Weg ins benachbarte Land hält Fady in der Hand, und lässt ihn nur selten aus den Augen. Im Minutentakt piept es da.

Die nächsten Punkte, die dort aufblinken, liegen vermutlich dort, wo das Leuchten herkommt, etwas weiter südlich von dem Strand, an dem wir sitzen, hinter der Grenze. Das Blinken sind Männer, die Fady auf seiner Lieblings-App Grinder anschreiben.

Hier chattet er jeden Tag mit Männern, wenn sie sich gefallen, treffen sie sich und haben Sex. Seinen Ex-Freund, ein Expat, der in Israel arbeitet, lernte er auch so kennen. Sie waren zusammen, bis der Ex Beirut wieder verlassen musste und nach Tel Aviv zurückkehrte.

Die Beziehung war kurz, aber intensiv. Eifersuchtsdramen in Bars, andere Typen.

Einmal, erzählt Fady, habe er sich eine falsche GPS heruntergeladen, sodass Tel Aviv als sein Standpunkt angezeigt wurde. Er wollte seinen Ex beobachten, lokalisieren, unter falschem Namen anschreiben, gucken, was passiert. Sie schrieben sich eine Weile hin und her, der Andere merkte nicht, mit wem er sprach. Fady lacht, er sei kein Stalker, und er habe das auch noch nie jemandem erzählt.

Er spricht heiter vor sich hin, doch sein Blick wirkt schwer, in den kurzen Momenten, in denen er durchatmet.

Wir sitzen weiter um das Feuer, und es wird herum gesponnen: Dieser Fleck Erde wäre der coolste Ort der Welt. Mit dem Auto von Beirut nach Tel Aviv in ein Paar Stunden, an der Küste entlang. Was für eine großartige Partynacht das wäre.

 

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