In der letzten Woche gab es gleich zwei interaktive/innovative Musikvideos: Bob Dylans Video, bei dem man sich, wie bei einem Fernseher, durch 16 Kanäle klicken kann, auf denen jeweils ein anderer Schauspieler Like a Rolling Stone synchronisiert und Pharell Williams’ Video zu Happy, das 24 Stunden am Tag läuft und bei dem man einzelne Momente „teilen“ kann. Das Kalkül ist aufgegangen: große Begeisterung und viel Resonanz auf den asozialen Medien. Bin ich wirklich die einzige, die sich davon ein ganz kleines bisschen überfordert fühlt? Die Vorstellung, dass es ein Video gibt, für das ich 24 Stunden bräuchte, um es mir ganz anzusehen? Oder, im Fall von Bob Dylan, 16 mal 6:53 Minuten? Vielleicht ist es auch eine déformation professionelle, mir bereitet es ja schon Unbehagen, hier jeden Tag etwas zu posten, ohne Zeit zu haben, es gründlich zu redigieren. Auf jeden Fall denkt es die kurze Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer schon mit. Der Endlos-Loop bei Happy suggeriert, das es unmöglich und deshalb gar nicht erst verlangt ist, sich mit dem gesamten Werk auseinanderzusetzen. Vielleicht sagt es auch etwas über die Musik aus, die da produziert wird, schließlich ist so ein Loop nur möglich, wenn das Lied nahtlos von Anfang bis Ende ineinander übergehen kann. Nachdem es eine Weile gelaufen war, hatte ich tatsächlich vergessen, dass das Video noch spielte. Bis mir klar wurde, dass meine leichte Nervosität von dem Hintergrundgeräusch aus meinem Computer herrührte.