Zwischenjahreszeit, Karussell der Erinnerungen, Schleudersitz der Gefühle, zweiter Teil.
Dieses Gefühl. Nach Hause zu kommen, in das Zimmer, in dem man aufwuchs, wo alles so klein ist was mal so gross schien, im zu kleinen Bett zu liegen, Waschmittel wie vor zehn Jahren, einen Atem voll nehmen, die Französisch-Prüfung am nächsten Tag förmlich riechen, Angstschweiss so real wie damals. Alte Sachen durchgehen (Nietzsche-Einband, fast ausnahmslos alles mit Filzstift markiert), unfertige Identitätsskizzen, alte Rollenmuster, alles zwei Grössen zu klein, eingegangen durch die Zeit. Die Zeit ist auch ein Waschmittel, und es riecht nach Lavendel.
Dieses Gefühl. An diese Parties zu fahren, wo alle sind, alle von früher, Kabinett der vergangenen Geister, jene, die geblieben sind und jene, die gegangen sind und jetzt für die Feiertage zurückkommen. Gesichter, die man seit Jahren nie mehr gesehen hat, lange schon vergessen hat, dass sie auch noch existieren, irgendwo in dieser verwinkelten Welt ihr Leben leben, und denen es wohl ähnlich geht, als sie einen erkennen, aber der Name nicht sofort einfallen will. Die überzuckerten, gesättigten Körper, nach Zimt und Glühwein und Knoblauch aus dem Fondue dünstend, ein wenig behäbig, ein wenig irritiert – auch sie haben wohl in die Abgründe ihrer alten Leben gesehen -, umso blumiger von ihren neuen Leben erzählend, als würden sie sonst in ihr altes Leben schlittern, reingezogen wie von einem Strudel. Hey, lange nicht gesehen. Ja, was tust du so. Das und das, dort und dort. Ah. Oh. Also bis dann. Nächstes Jahr vielleicht. Nach Weihnachten.