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Idee #3: W wie Wissen muss frei sein!

by Van-Bo Le-Mentzel

Vor kurzem habe ich eine Crowdfunding-Kampagne namens c3s (Creative Commons Collecting Society – eine Genossenschaft, die Creative Commons sammelt) unterstützt. Das ist eine Initiative, die versucht mehr Gerechtigkeit in unser Urheberrechts-System zu bringen. Die Regeln für das Urheberrecht machen in Deutschland seit vielen Jahrzehnten die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfäligungsrechte = zuständig für Musik), die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten = zuständig für Texte und Fotos) und das Deutsche Patent- und Markenamt (zuständig für Erfindungen).

Das Problem daran ist, dass diese Systeme leistungsorientiert sind. Die berühmten und erfolgreichen werden reich dadurch. Ein Prozent (die Berühmten) hat einen Nutzen davon, die anderen 99 Prozent (die nicht berühmten) zahlen. 
Versteht mich nicht falsch: Ich glaube nicht, dass Journalisten, Dichter oder Komponisten umsonst arbeiten sollten. Ich glaube nicht, dass es gerecht wäre ihnen ihren geistigen Output wegzunehmen. Aber: Weder Journalisten, noch Dichter oder Komponisten könnten schreiben, oder ihr Arbeit produzieren ohne von Dingen, die sie draußen in der Welt sehen inspiriert zu werden oder ohne Hilfe von anderen. 
Was zahlen sie an ihre Inspirationsgeber? An die Quellen, von denen sie sich nähren? Bezahlen Journalisten ihre Interviewpartner? Bezahlen Fotografen die Gegenstände, die sie ablichten – Landschaften, die Skylines der Städte, Gebäude oder die Menschen, mit denen sie ihr Geld verdienen? 
Die Brücken von Venedig inspirierten so viele Dichter und Komponisten. Diese Brücken bräuchten wirklich viel (finanzielle) Unterstützung. Ich kenne keinen einzigen Kreativen, der einen Anteil seines Gewinns dafür hergibt Brücken zu reparieren. 

Schaut euch mal einen der erfolgreichsten (und reichsten) zeitgenössischen Künstler an: Damian Hirst. Er verwandelte einen echten Hai in ein Stück Kunstwerk und machte Millionen damit. Ich zweifle daran, dass er die gleiche Öffentlichkeitswirkung mit einer kleinen Ente oder einem Golden Retriver gehabt hätte. Es ist der Hai. Und es gibt viele viele Initiativen, die dafür kämpfen, das Haie bessere Lebensbedingungen haben. Hirst (der eigentlich reichste Künstler in England) denkt noch nicht mal darüber nach jemand anderen zu unterstützen. 
Ich denke wir sollten die Idee von geistigem Reichtum einmal diskutieren. 
Ich denke: Wissen muss frei sein.

Ideen, Melodien, Kompositionen, Texte, Sprichworte, Tattoos, Designs, Logos, Farben, Wörter, Skulpturen, Witze, Entwürfe, Youtube-Videos (meine Favoriten sind TedTalks von Sir Ken Robinson und Hans Rosling und Videos in denen man lernt, wie man Raketenöfen baut) müssen frei sein. Das ist der erste Schritt, der Millionen von Menschen dabei helfen kann die Augen zu öffnen, Hunger zu stoppen oder andere entscheidende Katastrophen zu verhindern. Der nächste Schritt ist Systeme zu erschaffen, in denen Erfinder, Macher, Musiker und andere Wissenshersteller mit Rang leben (nicht nur der Damien Hirst unter uns). 
Aber ich bin sicher, dass wir Lösungen finden, wenn nur all die unentdeckten kleinen Genies, die elementare Bedrüfnisse haben sich für eine globale Weiheit zusammentun. 
Und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da. 
Wikipedia-Autoren (frei zugängliche Enzyklopädie), Freifunk-Aktivisten (Rechner-Rechner-verbindungsbasierte Wifi-Netzwerke), Bookcrossing (Bücher frei weitergeben) sind die Vorkämpfer. Du kannst Teil davon sein und heute damit anfangen. Bring dein Lieblingsbuch zu einer öffentlichen Verschenkkiste und schreibe auf ein Stück Papier: „Ich gehöre niemandem, lies mich und gib mich weiter. Wissen muss frei sein.“

Aus dem Englischen von Anni Heydi I recently supported a crowdfunding campaign called c3s (Creative Commons Collecting Society), this is an initiative that tries to bring more justice to our copyright system. What rules copyright in Germany for a lot of decades is GEMA (music), GVL (text and photo) and the patent office (inventions). The problem is: These systems are performance-orientated. The popular, succesful get rich with that. The 1% (famous) does benefit. The 99% (not famous) do pay. Don’t get me wrong: I don’t think, that journalist, poets or composers should work for free. I don’t think it’s fair to take away their spiritual output. But: Whether journalists, nor poets, nor composers can write or produce their work without being inspired by other things they see in the world or without the help of others. What do they pay to their inspiration givers? To their sources? Do journalists pay their interview partners? Do photographers pay the objects, landscapes, city skylines, buildings and people with which they make money? The bridges of Venice inspired so many poets and composers. These bridges really need a lot of (financial) support. I don’t know a single creative who give a share of their profit to repair bridges. Look at one of the most succesful (and richest) contemporary artists: Damian Hirst. He turned a real shark into an art piece and made millions with that. I doubt, that he would have had the same publicity with a little duck or a retriever dog. It’s the shark. And there are a lot of initiatives that fight for better living conditions for sharks. Hirst (who actually is the richest artist in England) doesn’t even think about supporting anyone. I think, we have to discuss the idea of spiritual property.

According to me: Knowledge must be free.

Ideas, melodies, compositions, text, porverbs, tattoos, designs, logos, colors, words, sculptures, jokes, blueprints, Youtube-videos (my favorites are Ted Talks by Sir Ken Robinson and Hans Rosling and videos in which you learn how to build rocket stoves) must be free. This is the first step, that can help millions of people to open their eyes, stop hunger and other crucial catastrophies. The next Step is to create systems, in which innovators, makers, musicians and other wisdom producers can live in dignity (not only the Damian Hirsts under us). But I am sure, that we will find solutions if all these undiscovered little geniuses who have provided their elementary needs will make up their mind for a global wisdom. And I am not alone with that opinion. Wikipedia-writers (free encyclopedia), Freifunk-activists (peer to peer based Wifi-network), Bookcrossing (free books) are the pioneers. You can be part of it and start today. Bring your favorite books to a public give box and write on a piece of paper: I don’t belong to anybody, read me and share me. Wisdom must be free.

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