Nun soll also in Berlin, nach dem „upper Eastside“, diesem feuchten Grossstadttraum in Stein, auch ein „upper West“ entstehen. Am Breitscheidplatz, wo bis zu seinem Abriss das Schimmelpfeng Haus stand. Was ist von Stadtbebauern in Berlin zu halten, die ihre Gebäude „upper Eastside“ und „upper West“ nennen, mit dieser billigen Assoziationsketten um sich wedeln? Überhaupt nimmt das Benamsen von Gebäuden in erschauderndem Mass überhand. Gebauter Kevinismus. Wir sind weiter von Berlin entfernt denn je. Und näher dran als je gewünscht. „Upper Eastside“, „upper West“, „Truman Plaza“; wann ging es los mit dem Wunsch Berlins, eine andere Stadt zu sein als die, die sie ist; 1933? 1945? 1989?
Aber natürlich wird nicht nur gebaut, es wird auch abgerissen. Kollateralschäden ganz im Sinne einer immer noch um sich wütenden „kritischen Rekonstruktion“. Über den Daumen gepeilt; die Hälfte der Bauten in dem schönen, kleinen Band BAUEN DER 70er JAHRE IN BERLIN, also alles, was in irgend einer Weise der späten Moderne zuzuordnen, weder Blockrandbebauung ist noch Baukörper mit Lochfassade in Stein; weg damit!
Vor drei Jahren fuhr ich mit einem Freund aus Los Angeles ein paar Tage eines schönen Berliner Sommers in der Stadt umher. Wir suchten nach „bedrohten Gebäuden“ um sie zu fotografieren.
Die schönsten Exemplare sind heute, drei Sommer danach, tatsächlich verschwunden.