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Kaffeerevolution

by Annika von-Taube

Kaffee gehört zu jenen Produkten, die mit jedem Schritt in ihrer Verarbeitungskette an Wert gewinnen, und zwar in einer Höhe, angesichts der man sich am Ende dieser Kette fragt, warum man so blöd ist, 3,20 Euro für einen Kaffee auszugeben. Zumal der Anteil, den die Erzeuger des Grundproduktes am Endverbraucherpreis verdienen, wohl eher in Tausendsteln messbar ist.

Löblich also, dass sich jemand darüber Gedanken macht, wie man die Kaffeeproduktion für die Erzeuger lohnender und für die Endverbraucher günstiger machen kann. Bonaverde heißt ein Projekt, das den Weg von der grünen Bohne zum gemahlenen Endprodukt verkürzen will und die frisch geerntete Bohne direkt vom Kaffeebauern an den Endverbraucher verkauft. Und für die Zwischenschritte, insbesondere das Rösten, stellt Bonaverde ein Gerät zur Verfügung, das alles kann, was man für die Verarbeitung von Kaffeebohnen braucht, und das die Kaffeewelt revolutionieren soll.

Dieses Gerät hat keinen Namen. Beziehungsweise, es hat eine generische Bezeichnung: „The Machine“. Und das ist im Gegensatz zum Projekt an sich keine gute Idee. Das klingt zu technoid, zu diktatorisch. Man will sich nicht in die Hände einer Maschine begeben, schon gar nicht morgens, wenn es um den ersten und wichtigsten Kaffee des Tages geht. Deshalb kostet Kaffeekonsum ja soviel, weil es um mehr geht als das Werkzeug, das man zum Kaffeekochen braucht. Ich hätte nichts gegen eine Kaffeekonsumrevolution, aber solange das kaffeekonsumrevolutionierende Ding nur „The Machine“ heißt, interessiert es mich nicht die Bohne – um mal einen Wortwitz mit Kaffeebezug anzubringen, der so billig ist, dass ich den ganzen Text lang überlegt habe, ob ich ihn bringen soll. Na, jetzt ist es passiert.

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