Gleisdreieck, Germany. What a name for a place. Couldn’t be more generic. Probably thought out by an engineer. Without bad intentions, of course, like always. “Gleisdreieck”, the name means “traintracks” and “triangle”, how innocent. But in Berlin, nothing is innocent, historically. “Gleis” and “Dreieck” – these two words do not resonate well with our past. And Gleisdreick, when I visited it in the early nineties was definitely a place from the past. A huge area of railway infrastructure, abandoned since the war, after which this once central location became one of the inner peripheries of the divided Berlin. Gleisdreieck is a silent space full of echoes. It was here that Berlin’s holocaust memorial seems to have existed long before one was built. Gleisdreieck is Paul-Celan-Land, the place where his words grew into this world.
RIESIGES,
wegloses, baum- / bewürfeltes / Hand- / gelände, // Quincunx. // Die Äste, / nervengesteuert, / machen sich über / die schon / angeröteten Schlagschatten her, / ein Schlangenbiß vor / Rosen- / aufgang.
FADENSONNEN
über der grauschwarzen Ödnis. / Ein baum- / hoher Gedanke / greift sich den Lichtton: es sind / noch Lieder zu singen jenseits / der Menschen.
LANDSCHAFT mit Urnenwesen.
Gespräche von Rauchmund zu Rauchmund. // Sie essen: / die Tollhäusler-Trüffel, ein Stück / unvergrabner Posie, / fand Zunge und Zahn. // Eine Träne rollt in ihr Auge zurück. // Die linke, verwaiste / Hälfte der Pilger- / muschel – sie schenkten sie dir, / dann banden sie dich – / leuchtet lauschend den Raum aus: // das Klinkerspiel gegen den Tod / kann beginnen.
DEN VERKIESELTEN SPRUCH in der Faust,
vergisst du, dass du vergisst, // am Handgelenk schießen / blinkend die Satzzeichen an, // durch die zum Kamm / gespaltene Erde / kommen die Pausen geritten, // dort, bei
der Opferstaude, / wo das Gedächtnis entbrennt, / greift euch der Eine / Hauch auf.
TAGBEWURF: die
lichtdurchlässige Dorn- / schläfe / grapscht sich noch ein / einziges taufrisches / Dunkel. // An der Herzspitze kommt / eine Muskelfaser / sinnend zu Tode.
HOHLES LEBENSGEHÖFT. Im Windfang
die leergeblasene Lunge / blüht. Eine Handvoll / Schlafkorn / weht aus dem wahr- / gestammelten Mund / hinaus zu den Schnee- / gesprächen.
SCHLICKENDE, dann
krautige Stille der Ufer. // Die eine Schleuse noch. / Am / Warzenturm, mit / Brackigem übergossen, / mündest Du ein. // Vor dir, in / den rudernden Riesensporagien, / sichelt, als keuchten dort Worte, / ein Glanz.
ERBLINDE schon heute:
auch die Ewigkeit steht voller Augen – / darin / ertrinkt, was den Bildern hinweghalf / über den Weg, den sie kamen, / darin / erlischt, was auch dich aus der Sprache / fortnahm mit einer Geste / die du geschehen ließt wie / den Tanz zweier Worte aus lauter / Herbst und Seide und Nichts.
DIE EWIGKEITEN fuhren
ihm ins Gesicht und darüber / hinaus, // langsam löschte ein Brand / alles Gekerzte, // ein Grün, nicht von hier, / umflaumte das Kinn / des Steins, den die waisen / begruben und wieder / begruben.
all poems (c) Paul CelanGleisdreieck, Germany. What a name for a place. Couldn’t be more generic. Probably thought out by an engineer. Without bad intentions, of course, like always. “Gleisdreieck”, the name means “traintracks” and “triangle”, how innocent. But in Berlin, nothing is innocent, historically. “Gleis” and “Dreieck” – these two words do not resonate well with our past. And Gleisdreick, when I visited it in the early nineties was definitely a place from the past. A huge area of railway infrastructure, abandoned since the war, after which this once central location became one of the inner peripheries of the divided Berlin. Gleisdreieck is a silent space full of echoes. It was here that Berlin’s holocaust memorial seems to have existed long before one was built. Gleisdreieck is Paul-Celan-Land, the place where his words grew into this world.
RIESIGES,
wegloses, baum- / bewürfeltes / Hand- / gelände, // Quincunx. // Die Äste, / nervengesteuert, / machen sich über / die schon / angeröteten Schlagschatten her, / ein Schlangenbiß vor / Rosen- / aufgang.
FADENSONNEN
über der grauschwarzen Ödnis. / Ein baum- / hoher Gedanke / greift sich den Lichtton: es sind / noch Lieder zu singen jenseits / der Menschen.
LANDSCHAFT mit Urnenwesen.
Gespräche von Rauchmund zu Rauchmund. // Sie essen: / die Tollhäusler-Trüffel, ein Stück / unvergrabner Posie, / fand Zunge und Zahn. // Eine Träne rollt in ihr Auge zurück. // Die linke, verwaiste / Hälfte der Pilger- / muschel – sie schenkten sie dir, / dann banden sie dich – / leuchtet lauschend den Raum aus: // das Klinkerspiel gegen den Tod / kann beginnen.
DEN VERKIESELTEN SPRUCH in der Faust,
vergisst du, dass du vergisst, // am Handgelenk schießen / blinkend die Satzzeichen an, // durch die zum Kamm / gespaltene Erde / kommen die Pausen geritten, // dort, bei
der Opferstaude, / wo das Gedächtnis entbrennt, / greift euch der Eine / Hauch auf.
TAGBEWURF: die
lichtdurchlässige Dorn- / schläfe / grapscht sich noch ein / einziges taufrisches / Dunkel. // An der Herzspitze kommt / eine Muskelfaser / sinnend zu Tode.
HOHLES LEBENSGEHÖFT. Im Windfang
die leergeblasene Lunge / blüht. Eine Handvoll / Schlafkorn / weht aus dem wahr- / gestammelten Mund / hinaus zu den Schnee- / gesprächen.
SCHLICKENDE, dann
krautige Stille der Ufer. // Die eine Schleuse noch. / Am / Warzenturm, mit / Brackigem übergossen, / mündest Du ein. // Vor dir, in / den rudernden Riesensporagien, / sichelt, als keuchten dort Worte, / ein Glanz.
ERBLINDE schon heute:
auch die Ewigkeit steht voller Augen – / darin / ertrinkt, was den Bildern hinweghalf / über den Weg, den sie kamen, / darin / erlischt, was auch dich aus der Sprache / fortnahm mit einer Geste / die du geschehen ließt wie / den Tanz zweier Worte aus lauter / Herbst und Seide und Nichts.
DIE EWIGKEITEN fuhren
ihm ins Gesicht und darüber / hinaus, // langsam löschte ein Brand / alles Gekerzte, // ein Grün, nicht von hier, / umflaumte das Kinn / des Steins, den die waisen / begruben und wieder / begruben.
all poems (c) Paul Celan