Die Story mit der höchsten Verbreitungsrate in den Sozialen Netzwerken ist heute wahrscheinlich die Nummer mit den Eiern, die gestern auf das Pflaster vom Roten Platz in Moskau genagelt wurden. Und zwar von dem Mann, dem sie gehören.
Um sich einen Nagel durch den eigenen Hodensack zu treiben, muss man bestimmt Eier haben. Allerdings könnte man diese sicher auch für anderes verwenden. Der Mann, Performancekünstler Pjotr Pawlensky, wollte mit seiner Aktion dagegen protestieren, dass sich in Russland polizeistaatliche Zustände breitmachen. Nachdem er eine Weile nackt mit angenagelten Eiern auf dem Platz gesessen hatte, wurde er von Polizisten abgeführt. Sein Zeichen des Protests wurde in einem Krankenhaus behandelt, danach wurde er verhört, danach wurde er freigelassen. Demnächst folgt eine Gerichtsverhandlung, und wenn er wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses oder was auch immer verurteilt wird, geht er für bis zu 15 Tage ins Gefängnis.
Zur Zeit reden alle davon, wie mutig und kraftvoll die Geste von Pawlensky war. Aber in wenigen Wochen wird sich kaum noch jemand an ihn erinnern, so wie sich kaum noch jemand an den Mann erinnert, der sich den Mund zunähte als Protest gegen die Inhaftierung von Pussy Riot-Mitgliedern, so wie sich kaum noch jemand an den Mann erinnert, der sich öffentlich Stacheldraht um den nackten Leib schlang, um zu illustrieren, wie man sich in einem repressiven System fühlt. Das waren nämlich auch Aktionen von Pawlensky. Die nichts bewirkt haben. Und das ist schmerzlicher als die Protestaktionen selbst.