Morgens um 5 vor 10 ist die Welt sehr schön. Sie besteht aus einem Pool, der groß genug ist, dass man darin Bahnen schwimmen kann, darum ein paar Palmen und einige wenige Menschen auf Liegen, die sich kaum bewegen, kaum reden und kaum auffallen. Was gut ist, denn würden sie sich auffällig verhalten, wäre es unmöglich zu übersehen, dass es sich um nicht besonders hübsche Menschen handelt, und das würde die Harmonie des Bildes erheblich beeinträchtigen.
Solange die Menschen aber nicht weiter auffallen, ist alles schön. Der entspannte Geist lässt sein Auge wohlgefällig über die Szenerie schweifen, vom Balkon aus dem zweiten Stock aus, von wo man alles überblicken kann, ohne mittendrin sein zu müssen und sich womöglich den Blicken anderer auszusetzen, die ihrerseits zu dem Schluss kommen könnten, dass man als hässliches Element die Harmonie des Bildes beeinträchtigt.
Der entspannte Geist ist gerade dabei, sich einen Plan für den Tag zurecht zu planen, der möglichst planlos verlaufen soll, da passiert es: Ein Poolboy stellt das Radio an. Auf einmal ist nichts mehr schön. Der entspannte Geist ist angespannt. Und der Plan, einen planlosen Tag zu planen, muss einem neuen Plan weichen. Dieser Plan muss irgendwas mit „nicht hierbleiben“ zu tun haben, denn der Radiosender ist grausam, das Ohr krümmt sich vor Schmerz, das Ohr muss weggebracht werden von diesem Ort.
Aber die anderen, die Menschen auf den Liegen, sie sind immer noch da. Als hörten sie nichts. Sie bewegen sich kaum, sie reden kaum, sie fallen kaum auf. Alles so wie vor der Radioinvasion.
Manchmal ist es schrecklich anstrengend, ein empfindsamer Mensch zu sein.