Beim Frühstück spüre ich nichts, die üblichen Dinge, Ei, Brot, Butter, und alles was dazu nötig ist. Es ist immer dasselbe, Salz, Pfeffer, der Raum der Küche, dieses Haus, hier, und diese Strasse. Eine Strasse, die nach fünfzig Metern von einer zweiten gekreuzt wird. Noch einmal fünfzig Meter weiter mündet eine dritte Strasse in ihr. Und dreissig Meter weiter endet sie. Zur nördlichen Strassenseite stehen zwei und zur südlichen drei Häuserblocks. Also fünf mehr oder weniger frühstückende Blocks, eine Harmonie, die Körpergefühle trägt. Normalerweise spüre ich beim Frühstück alle fünf Blocks, an manchen Tagen noch mehr. Die Bewegung gleicht der, die den Körper streckt (ausstreckt, wie nach dem Erwachen), durch die Überspannung der Glieder und Muskeln ein Gefühl für ihre Verbindung, für ihre Einheit entwickelt, und diese Einheit bis in die Fingerspitzen treibt, in die Zehen, oder zum Ende der Strasse, je nach dem. Ich spüre nicht jeden Raum und jede Bewegung, aber alle für die sich Erinnerungen finden, passende Gegenstücke, zum Beispiel alle mir bekannten Frühstücksereignisse. Sie vergrössern mein Gefühl, hinaus über das Ende der Strasse. Ich strecke also meinen Körper, aber mein Gefühl geht nicht nur in die Spitze meiner Finger und meiner Zehen, sondern für einen Moment bis nach Gerlach, Nevada. Dort haben ausser mir nämlich noch andere Corndog gefrühstückt, und das wird auch immer wieder geschehen, vermutlich geschieht es gerade jetzt. Mit dieser Erinnerung oder Vorhersage, lassen sich weitere Erinnerungen und Vorhersagen verbinden, und so vertiefe ich meine Verbundenheit zu all den Orten an denen ich mich jederzeit nicht befinde. Und doch spüre ich heute nichts, von hier bis zum Ende der Strasse. Auch in der Strasse die sie kreuzt, die doppelt so lang ist, und jener, die in ihr mündet, nichts. Keine Eier, kein Brot, keine Gewürze, nur die, die auf meinem Tisch hier stehen. Das Ei habe ich bereits aufgegessen. Die abgesägte Kuppe liegt im hohlen Bauch des Eis, zusammen mit kleineren Schalenstücken. An der Aussenseite der Schale trocknet übergelaufenes Eigelb mit einer Schicht von Pfeffer und Salz, die sich über dem ganzen Teller ausbreitet. Ein schöner Raum, würde man die abgesägte Kuppe und die kleinen Schalenbrösel daraus entfernen. Der Raum besitzt nur eine einzige Wand, seine Hülle. Keine Winkel, keine Säulen, viel Licht. Das Licht, das dort einfällt, wo einmal die Kuppe war, wird von der weissen Membran an der Innenseite der Hülle in einem Hin und Her reflektiert, das vermutlich endlos ist. Es wäre ein hervorragender Raum für mich und meine Abteilung. Die Bewegungen würden der Krümmung der Wand, dem asymmetrischen Oval des Raumes nachempfunden. Zyklische, torische Bewegungen, Wirbel. Gegenläufig rotierende Bewegungsketten, die im sich im Vorbeiflug grüssen. Aber auch gezielte Turbulenzen, die eine Bewegung nach unten ziehen, oder empor saugen. Vielleicht müssten es mehrere miteinander verbundene Schalen sein. Die abgesägten Kuppen würden aus dem Ei-Bauch an ihre ursprüngliche Stelle gehoben, und mit Scharnieren festgemacht. Die vollkommene Eiform müsste wiederhergestellt werden, denn ohne Dach würden sich die Schalen am gegebenen Tag mit Regen füllen, und ich und meine Abteilung würden ertrinken. Nordwestlich von hier gibt es ein Fässchen Ziegenkäse in Kräutern und Olivenöl. Der Geschmack der Kräuter verliert aber gegen übergrosse Knoblauchscheiben, die nirgendwo erwähnt sind. Ich hatte vorhin ein Stück Toastbrot in diesen Käse getunkt, dabei brach ein Stück Kruste ab und blieb im Fässchen liegen. Jetzt sitzt es scheinbar stabil auf einem hochweissen Felsen Ziegenkäse, der einer Mulde vorsitzt, in die Olivenöl und dunkles Kräutersediment geflossen sind. Auf dieser thronenden Kruste sehe ich die Anderen und ihre Abteilungen, die Büroetage. Vielleicht auch nicht. Es ist eine furchtbare Unordnung auf dem Küchentisch, und ich habe immer noch keine Verbindung zum Ende der Strasse. Ich strecke mich ein paar Mal. Das Gefühl endet immer kurz vor meinen Zehenspitzen.