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The Strange Reich (2)

by Jossi Reich

JossiUups! Unerfüllbare Pläne, unerfüllbare Liebe?? Unerfüllbar? Wie in jener post-pubertären Entwicklungsphase des hochsensiblen 21jährigen sich diese Liebe zu der aus dem Polnischen stammenden Mutter in eine hysterisch-todessehnsüchtige Liebe zum Volk und Land der Polen sublimierte, mich zu der Entscheidung veranlasste, mich auf den besagten Wochentrip ins damals noch kommunistisch-sowjetische Armuts-Polen einzulassen. Englischsprachig wird diese Erzählung sein, wie gesagt, unter anderem, weil ich meinen Töchter auf diese Weise etwas über ihren skurrilen Vater nahebringen möchte, habe ich ihnen doch den Fluch angetan, nicht bei uns im friedfertigen Deutschland, sondern im kriegerischen Israel groß zu werden, sind sie doch deswegen zu meinem großen Leidwesen meiner Muttersprache Deutsch einfach nicht wirklich mächtig. Im zarten Kindesalter habe ich meine in deutschen Krankenhäusern zur Welt gebrachten Töchter nach Israel verschleppt. Weil ich es nie zustande brachte, ein anständiges deutsches Frauenzimmer für mich zu interessieren, und daher irgendwann gezwungen war, auf israelisches Rohmaterial zurückzugreifen – und dabei mit mehr Glück als Verstand bei meiner jetzigen, israelischen Gattin hängenblieb, die wirklich eine ganz phantastische Lebenspartnerin ist und mich nie betrog, sowie auch ich sie nie betrog, höchstens in meiner Phantasie. Höchstens in meiner Phantasie. Phantasie?

(Photo von Angelika Cher)

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