#60
 
 

The Strange Reich (3)

by Jossi Reich

Jossi

Englischsprachig wird diese meine Erzählung über mich den damals 21jährigen auch deshalb sein, weil ich damit dem Sprachenmix der Sixtinischen Pages entgegen komme, wo ja durchaus eine Menge Texte auf Englisch zu finden sind. Und zwar auch von deutschsprachigen Autoren, oder? Um aus dem bundesdeutsch, langweilig Provinziellen somit in die international und mental aufgeschlossenen Leserkreise des New Yorker, der New York Review of Books, der New York Times zu gelangen. Korrekt? Habe ich recht. Piss ich hier richtig?? Hahahaha. Piss ich hier richtig? Hahahahaha. Einst vor vielen vielen ungezählten Jahren, als ich mit meinem Busenfreund Maxim Biller, ja ja ja, genau, der große böse jüdische grantige Biller, der bereits jetzt zu den Unsterblichen und wohl erst posthum Gefeierten gehört, ein Unerhörter, der uns störrischen Deutschen die Wahrheit um die Ohren schlägt, die wir immer noch nicht hören wollen, jetzt nach 70 Jahren immer noch nicht – über den ich wiederum den großartigen Georg Diez kennenlernte, der mir zum Freund und Gönner wurde, na ja, jetzt übertreibe ich gerade, wie auch immer: Ich also in der Nähe des Centre Pompidou in einem dieser sehr stylischen Cafes mit dem Biller zusammen nach zu viel Tee und Wasser und Durch-die-Stadt-Laufen und Den-Urin-Drang-Zurückhalten, weil man ja immer nur gucken und kaufen und vor allem gucken will, Paris halt, oder ja? Wir also jeder aufatmend, mit unseren prä-altersschwachen, ostjüdischen Pseudo-Talmud-Gelehrten-Blasen, jeder an seinem eigenen Pissoir stehend und uns ungläubig und staunend in dieser überkandidelt gestylten Cafe-Toilette umschauend, dann uns in unsere traurigen, damals noch juvenilen semitischen Augen schauend und ich, der plötzlichen witzigen Eingebung folgend, fragte: „Piss ich hier richtig“. Worauf wir beide dann in eine langanhaltende hysterische Lach-Attacke verfielen.

(Photo von Angelika Cher)

all PICKS von