Ok, Du Arsch. Arsch kann man sagen. Arsch, das hat eine ganz eigene, in der Regel – so auch hier – lieb gemeinte Qualität und fällt, nach allem, was uns allen bekannt ist, NICHT unter die Kategorie Beleidigung – oder gar Kränkung. (Was ist eigentlich schlimmer, eine Beleidigung oder eine Kränkung? Wow. Noch ein Thema, über das wir bei nächster Gelegenheit zu disputieren haben.) (Ja, ich sagte disputieren, NICHT diskutieren.)
Ok, Du Arsch. Du hast mich in der Hand. Es hat mich voll gepackt. Ich kann an nix anderes mehr denken, als diesen Blog mit irgendwelchen Ergüssen auszufüllen. Jajajaja. Jawoll: Ich sterbe danach, diesen jämerlichen, miskroskopisch winzigen, deutsch-englisch-sprachigen Teil der Menschheit, der sich ab und an auf Deine Möchtegern-hippe amerikanisch-arabisch-jiddisch-deutsche Plattform verirrt, mit meinen sprachlichen Samenergüssen zu füttern. Zu füttern, hahahaha. Mit meinen Samenergüssen, hohohohoho. Und wenn Du, Du… Du… für den deutschen SPIEGLEIN schuftender Scharlatan-Schreiberling es wagen solltest, meine schriftlichen Verirrungen und Wirrungen abzulehnen, mich zu – feuern!!!, dann wäre das – mein Ende.
Du kannst mich feuern. Oh ja, es liegt in Deiner Macht, oh ja, oh je. Oh, wie lange konnte mich keiner mehr feuern, wie lange war ich total unabhängig und frei, ganz so wie jene vergessenen, aus der Leibeigenschaft entlassenen, zum Freiwild beförderten Existenzen aus dem Altertum der Menschheitsgeschichte.
Damals, Mitte der 90er, ich war noch jung, knackig und Freiwild, in Frankfurt am Main, nicht an der Oder, oder? … der gute Uli Feuerle, ein Mengele – Verzeihung, ein Schwabe, den es aus dem Badischen ins Hessische verschlagen hatte, der hätte mich auch feuern können. Als ich damals bei dieser riesengroßen, gigantischen, global-internationalen Werbeagentur anheuerte, deren Namen ich hier aus Markenschutz-koscher-Schächter-pflichtigen-richtigen Gründen nicht nennen möchte. Ich hätte zu den Textern sollen, aber nein, nein, nein, es lebe der Selbstzerstörungstrieb, weil ich so scheußlich anal-gestört analytisch drauf war, und gerade die Gehirnwäsche meiner Psychologie-Diplom-Prüfungen hinter mir gelassen hatte – weit hinter mir gelassen hatte –, ging ich zu Uli Feuerle in die Marktforschungsabteilung. Und wäre schon bald im hohen Bogen wieder rausgeflogen, wenn ich nicht klugerweise selbst schleunigst gekündigt hätte.
Und mein großartiger Vater, mein gottseeliger Papa, auch der hätte mich feuern können, mir einfach die Erbschaft kündigen können. Aber er war viel zu sanftmütig, viel zu alt, mich widerlichen, kleinen Waschlappen-Jammerlappen gerechterweise zu züchtigen, Gott behüte gar zu demütigen. Zu groß war sein Verlangen mich, den Spermienträger seiner Nachkommenschaft, zu verwöhnen und zu verweichlichen, zu hegen und zu pflegen, die mitleidlose Schule des Lebens, die ihn den Krieg hatte überstehen lassen, vor mir, seinem geliebten Söhnchen, das eigentlich ein Töchterchen hätte werden sollen, fernzuhalten – und das hat mich natürlich verdorben, zutiefst verdorben. Aber gleichzeitig auch jenes, vielen von uns, ach so unglaublich Verborgene aus mir herausgeholt, aus der Unterwelt ans Tageslicht befördert, jenes – mit Bedacht wiederhole ich – uns allen Verborgene, um das mich meine Nachwelt bereits jetzt beneidet. Bereits jetzt, edler Hornbrillen-tragender Adressat dieses meines Bittgesuchs (auch ich trage mittlerweile eine Hornbrille, die Jahre der sinnlosen optischen Anstrengung haben mein Augenlicht getrübt).
Und nochmal: Verehrtester, gestatte mir dem Bittsteller, bevor ich, wie in den vorangegangenen Einführungen angekündigt, nun beginne, die Liebesgeschichte aus dem Jahre 1984 zu erzählen, zwischen mir und meiner Mama und meiner damaligen Freundin Mirale und ihrem, mich dann ablösenden Liebhaber Hans, vor dem Hintergrund eines vermaledeiten Jugendtrips zu den Gedenkstätten der Vernichtung im damals noch kommunistischen Armuts-Polen; gestatte mir bitte einige selbstverliebte: Language games – Sprachspiele – the art of high babbling, since I am by far not a poet, but a Sprachspieler, a professional Quatschkopf.
Lass mich dem, sich gerade erst langsam und schmerzlich an mich gewöhnenden Lesepublikum die Möglichkeit geben, sich an mich zu gewöhnen (ja genau, hab ich absichtlich gesagt: sich an mich gewöhnende… zu gewöhnen).
Emails!! Niemals herausgeschickte, never ever sent emails!! Genau das ist der Ort, wo das Spielerisch-Ungezwungene, das mit Sprach- und Kulturkonventionen wild Herumjonglierende bei einer sterblichen Kreatur wie mir besonders – glänzend ist.
Non-sent-email Nummer EINS:
Shlomzion. A rare name in Israel. Guess why people there do not dare so much to give their daughters this name. Shlom. Zion. Friede über Zion. Good joke hahahahahahaha. She saw me first on a BalkanBeatBox-Concert and was fascinated by my appearance, she was such a very hardheaded highly intellectual complicated woman, that she made me simply dizzy. And I love to be dizzy. She was too much alone on herself, and we all wanted her to find a male partner in life as quickly as possible. And then she found this aging actor, who is quite famous here in Jewish Palestine, and since we are very horny to have celebrities in our garden, I invited her with her boyfriend into our garden. Yes yes yes, I am a fucking Spießer in the Vorort, the Suburb, with a fucking garden, unbelievable. So here is the email, the email – I remind you – which I never ever sent away:
Shit, Shlomzi, I have to cry. Finally. A man in your life. This is so exciting. i will talk to my wife about it. can we invite u? who is the happy one? is he my brother, my friend? does he believe in god, pornography, peace in the far east? will he want to be also my friend, my wife’s friend? did he serve in our army and kill Palestinians? please, my dear. tell me EVERYTHING, EVERYTHING… let’s meet on independence day. I love u sooo much, also my wife… kisses, yours third REICH…
The next Email, out of my old rotten, as we say in German: VERROTTENDEN outmail-files, an keinen Geringeeren als an Georg Diez, die ich dann nie abschickte, weil ich dachte, warum ihn, der von berufswegen soviel Scheiß lesen muss, auch noch mit sowas belästigen. Er war auf dem Weg hier in unser Land, das wir mit Schweiß, Blut und Tränen aus dem Wüstennichts in die palästinensische Einöde gesetzt haben, und dafür ein paar von denen vertreiben mussten, etwas, was uns die Welt bis heute nicht vergibt, was wirklich absolut absurd ist, sie gönnen uns halt einfach nicht unser Land – Israel. Ja genau, jetzt habe ich es gesagt – Israel. Schrecklich unverdaulich klingt es: Israel. Er, also Georg, war auf dem Weg nach Israel, um irgendeinen dieser arabischen Querkopf-Intellektuellen zu interviewen, die in unserer pluralistisch-demokratischen israelischen Gesellschaft ebenso Gehör finden, ging aber einem Treffen mit mir klugerweise aus dem Weg; und das ist die Email, die ich nie nie nie an ihn schickte.
Liebster! Kunst ist die Kunst, endgültig künstlich zu werden, genau dort, wo die Menschlichkeit aufhört, aber ja eigentlich immer noch gebraucht wird, und dann nur noch menschliche Künstlichkeit fortexistieren kann. Capisce, Kleiner? Okay, okay: Kapiert, Großer? Ja, komm nur nach Israel, wir rechtsradikalen jüdischen Scheißintellektuellen werden Dir die hohe Kunst der Künstlichkeit am Ende der Menschlichkeit genauer darlegen. Gegen entsprechendes Honorar.
Nur Liebe, Dein Josef. Nein, ich bin mit der Brille nicht mehr befreundet, sie stinkt. Ach diese Kraft nichtsnütziger Assoziationen, die mich fortreißt. GENUG! FORT! FORT FORT
Und hier, diese letzte, niemals abgeschickte Email: an meine Freundin Alexandra, die niemals mit mir ins Bett gehen wollte, aus dem ganz einfachen Grunde, weil ich verheiratet bin und deswegen niemals mit IHR ins Bett gehen wollte.
Alex, mein Schatz, Arbeit macht frei. Ich weiß, wurde mal irgendwo irgendwie missbraucht dieser Spruch (wo eigentlich, hab´s total vergessen). Ist aber so, macht wirklich frei. Weiterarbeiten, sage ich.Wochenende ist eine hebräische Erfindung aus vorantiker Sklavenzeit, sehr human, aber heute nicht mehr adäquat. Weiterarbeiten, Süße. Schlappheit vor dem Feind gilt nicht. Sag Patrizia, ich liebe sie, aber dieser liederliche, bebrillte Finne steht mir – will sagen – uns im Weg. Na ja, ist halt so, die Finnen halt, Nokia. Scheißqualität, mit Siemens, Fujirama und ausgeleierter BikiniRama, die junge Rama, mit Gesundheit und viel Geschmack… heilige Schizophrenie… mich hat´s erwischt. Gute Nacht, Alex. Heirate mich, ich brauche eine zweite FRAU. Jetzt, hier, sofort…
Natürlich war das ein Scherz mit dem „Heirate mich“ in dieser Email, die ich nie verschickte vor einigen Jahren, mittlerweile bin ich mittlerweile (ich habe absichtlich zweimal mittlerweile gesagt) 21 Jahre zusammen mit meiner Frau. WOW.
In der Hoffnung, Euch mit meinen sinnlosen Sprachspielereien-Bloggereien das Wochenende versüßt zu haben.
Bis morgen,
with strange regards,
the Strange Reich