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The Strange Reich (7)

by Jossi Reich

Bevor ich mich nun ab morgen endgültig dem Vergnügen hingeben darf, die Liebesgeschichte zu erzählen zwischen mir und meiner Mama und meiner damaligen Freundin Mirale und ihrem mich dann ablösenden Liebhaber Hans aus dem Jahre 1984 vor dem Hintergrund eines vermaledeiten Jugendtrips zu den Gedenkstätten der Vernichtung im damals noch kommunistischen Armuts-Polen; davor würde ich gerne den heutigen Sonntag nutzen, euch mit dem folgenden, von mir vor dreieinhalb Jahren verfassten Intro zu einem Artikel in der New York Times über das Erdbeben in Haiti zu beschweren. Manchmal, gerade am arbeitsfreien siebenten Ruhetage, tut es Geist und Seele gut, innezuhalten und sich auch mal mit nicht mehr ganz so aktueller, an uns mit Höchstgeschwindigkeit vorbeigerauschter, jüngster Geschichte zu beschäftigen. Und dann vielleicht mir, dem feinsinnigen Ratgeber, dankbar zu sein, für die beiden Buchtips, die sogleich auf euch zukommen.

Hier also mein Intro zu dem damaligen Artikel in der New York Times, verfasst im Januar 2010:

Das Medien-Event „Erdbeben in Haiti“ ist vorbei, die Berieselung mit Katastrophenbildern und die zu Großmut, Mitleid und Spende aufrufenden MTV-Spektakel jüngste Geschichte. „Lebbe“ geht weiter, brutal und böse wie eh und je, und dem bösen Herrgott ist zu gratulieren, dass er die ganze Menschenleben verschluckende Scheiße bestens passend in die Weihnachtsphase hineinsetzte, da wo wir reichen weißen Hiesigen bekannterweise ja sowieso für Menschenliebe zu haben sind, voll dummer Hoffnung mit ein paar Teelöffeln tatkräftiger Reue unsere Gleichgültigkeit und Kaltblütigkeit des restlichen Jahres wieder gut machen zu können bzw. wieder den Abfluss hinunterzuspülen. Geblieben ist uns weißen Reichen die Gewissheit, dass so viel Schwarze auf einen Haufen wie in Haiti, Afrika oder sonstwo nicht in der Lage sind, ein ordentliches Staatsgefüge auf die Beine zu stellen, ja es den Haitianern wohl besser erginge, wenn ihre aus West-Afrika hierher verschleppten Sklaven-Vorfahren sich nicht gewaltsam Anfang des 19. Jahrhunderts vom kolonialen Joch der Franzosen befreit hätten, sondern noch einige gute Jahrzehnte mehr unter dessen Fittiche ausgehalten hätten.

Der Schriftsteller Tracy Kidder beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Ländern wie z.B. Ruanda oder Haiti. Sein hier verlinkter Beitrag http://www.nytimes.com/2010/01/14/opinion/14kidder.html?_r=0 vom Januar 2010 ist ein kurzer Abriss inwiefern Haiti, nachdem es sich die Unabhängigkeit erkämpft hatte, seitens französischer Strafmaßnahmen und amerikanischer Bevormundungen verkrüppelt wurde. Wie so viele, die sich in das Thema einarbeiten, behauptet Kidder des weiteren, dass auch die Entwicklungshilfe heute oft mehr dem Interesse derjenigen dient, die sie ausführen, und nicht immer derjenigen, denen sie zugute kommen soll. Er empfiehlt die Unterstützung dieser Organisation http://www.pih.org/country/haiti – nicht nur, weil hier primär Haitianer Haitianern helfen, sondern auch, weil von den im Zentrum, sprich in Port-Au-Prince operierenden Krankenhäusern ausländischer Organisationen nicht mehr allzuviel übrig blieb. Und bei wem sich nun Neugier auf die Bücher von Tracy Kidder breitmacht, dem sei durch unten folgenden Links weitergeholfen…  Sincerely, the Strange Reich

 

http://www.amazon.com/s/ref=nb_sb_ss_i_1_13?url=search-alias%3Daps&field-keywords=tracy%20kidder%20strength%20in%20what%20remains&sprefix=tracy+kidder+%2Caps%2C486

 

http://www.amazon.com/s/ref=nb_sb_ss_i_0_15?url=search-alias%3Daps&field-keywords=tracy%20kidder%20mountains%20beyond%20mountains&sprefix=tracy+kidder+%22m%2Caps%2C506&rh=i%3Aaps%2Ck%3Atracy%20kidder%20mountains%20beyond%20mountains

 

 

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