Auf der Sylvesterparty, die das Jahr 1995 einläutete, bekam ich armes Schwein den geilsten und perversesten Blow-Job meines Lebens verpasst. Shoshi war erkältet und ging früh nach Hause. Da war diese ziemlich geil gebaute Fußballerin, die ich mit dem altbewährten “Wow, bist du kräftig/Armdrücken”-Trick ins Treppenhaus lockte. Sie war alkoholisiert und bereitwillig und ehe ich mich versah, rangen und knutschten wir miteinander. Irgendwann zog sie mir einfach die Hose aus, legte mich auf ihren Schoß, sowie die heilige Madonna den am Kreuz zu Tode lädierten Jesus, nahm meinen Penis in den Mund, fingerte dabei zärtlich in meiner Aftergegend herum und als ich dann kam, schluckte sie meinen Sperma. Ich sah sie danach leider Gottes nie mehr wieder und für Jossl Kogan, den gehörnten Kolumnisten, den ich dieses Objekt der Begierde im ehrlichen Zweikampf mit meinem sonderbaren Trick vor der Nase weggeschnappt hatte, war ich seitdem eine Zeitlang nur noch Pippi, der Geblasene.
Das Jahrzehnt ist also schon zur Hälfte vorüber, die Jahrtausendwende naht, wir sind am Ende meiner Erzählung. A propos Reinlichkeitserziehung, von der ja ganz am Anfang die Rede war. Sind wir Deutschen nicht irgendwie viel zu anal auf Umweltverschmutzung fixiert? Hätten bei der Kampagne gegen Shell und die geplante Versenkung der Brent-Spar-Bohrinsel nicht gerade wir, aufgrund der phänomenalen Völkermord-Erfolge unserer jüngeren Zeitgeschichte, darauf hinweisen müssen, dass Shell maßgeblich auch am Dahindarben der Ogonis beteiligt ist, die in einem der erdölreichsten Regionen Nigerias ansässig sind. Der Tatbestand, dass weite Flächen des Ogoni-Landes durch eine technologisch und ökologisch völlig ungenügende Erdölförderung zerstört worden ist, sich über mehrere Hektar erstreckende Öllachen gebildet haben, das tagelange Abfackeln von Erdgas in freier Natur, all dies Rücksichtslosigkeiten, die sich die dort tätigen internationalen Ölkonzerne wie Elf, Agip, und u.a. halt auch Shell, in Europa oder Nordamerika niemals erlauben würden; der Tatbestand, dass das Aufbegehren der Menschen im Ogoni-Country immer wieder gewaltsam unterdrückt wird, Milizen nachts in Dörfer reingehen und ganze Familien dahinraffen, all das kann ausgerechnet uns Deutschen doch nicht egal sein, oder? Und wenn wir uns schon so sehr daran stören, dass unser ehemaliger Erbfeind Frankreich es wagt, im fernen Pazifik die Qualität seiner Atomstreitmacht zu testen, warum protestiert keiner auch dagegen, dass Paris trotz entsprechender EU-Abmachungen immer noch dem Terror-Regime im Sudan militärisch unter die Arme greifen. Die weißen moslemischen Machthaber führen seit bereits mehr als 10 Jahren einen Vernichtungskrieg gegen die schwarzen Völker im Süden des Landes und in den Nuba-Bergen. Wahrscheinlich mehr als eine Millionen Menschen wurden dabei bisher getötet.
“Pippi”, erklingt es eindringlich an meinem Ohr. Jossl Kogan versucht mich in einem seltenen Anfall von Nächstenliebe zur Vernunft zu bringen. Sanft und bemitleidend schaut er mich durch seine Brillengläser an, Menachem Begin. als diesem die Nachricht von der Ermordung seines Friedenspartners Anwar El-Saddat übermittelt wurde, jetzt plötzlich zum Verwechseln ähnlich. Jossl schreibt letztens nicht nur Kolumnen in der “Zeit”, sondern hat auch einen Kurzgeschichten-Band veröffentlicht. Hemmungslos macht er sich über alles lustig. Über krankhaft-verklemmt Deutsche oder über die logischerweise verstörte Beziehung der Deutschen zum Judentum. Man mag ihn nicht, aber er wird gelesen. “Irgendwie ist das ja alles sehr lieb von Dir gemeint, aber so funktioniert es nicht, so gewinnst Du keinen beschissenen Blumentopf.” Und verabreicht mir dann liebevoll die kategorische Kopfnuss.
Dieser Planet braucht mich. Er braucht ein Deutschland, dass ich läutern werde. Ich, das moralisch positive Gegenstück zu Hitler. Und meine Freunde werden mir folgen. Sieg Heil. Soll ich weiter ein Wichser und Hurenbock bleiben? Oder mich scheiden lassen? Mann, ich hab doch Kohle. Ich lass meine Wohnung und mein Büro in einen Affenkäfig voller Seile und Stangen verwandeln, und werde jetzt auf meine alten Jahre hin doch noch stark und sportlich. Vielleicht höre ich dann auf, ein perverser Schwächling zu sein, der geil darauf ist sich von zu groß geratenen Monsterweibern niederringen zu lassen. Und wenn ich dann immer noch keinen Bock auf meine Ehefrau habe, dann halt “Tschüss,Shoshi”. Unserer Rejsale werde wir trotzdem gute Eltern sein, Eltern, die sich halt die Befriedigung ihrer Liebesbedürfnisse anderweitig holen, geschieden, aber in eiserner Erziehungsgemeinschaft, bis das der Tod uns umnachtet. Solls doch geben, oder? Und wenn meine arme, alte, an der traditionell jüdisch-osteuropäischen Familienmoral religiöser Vorzeiten festhaltende Mamme vor lauter Kummer und Gram über die kaputte Ehe dann Gott behüte vorzeitig abtritt? Dann bin ich halt ein Muttermörder. Egal. Es gibt wichtigeres. An die Arbeit. Die notleidende Menschheit braucht mich. Vielleicht ist es noch nicht zu spät.