Meine Freunde nahmen Shoshi, wie gesagt, gebührend in Empfang. Je nach Lust und Laune brandmarkte Jossl, unser bekloppter Theoretiker – wir erinnern uns, der Kolumnist und Schreiberling – die Israelis als faschistoiden Siedlerhaufen oder schwärmte anderntags frei nach Stalin von einem Transfer aller Palästinenser aus dem Westjordanland nach Jordanien oder sonst wohin, damit wir Juden die besetzten Gebiete endgültig annektieren und für uns alleine haben. Jossl, die dumme Sau, brachte sie mit solcherlei Gequatsche tatsächlich zweimal zum Heulen, lenkte aber immer sofort wieder ein. Er habe es doch gar nicht so gemeint, meinte er tröstend, er ist halt pervers, es mache ihn unheimlich an, sich in irgendeine x-beliebige Extremistenrolle hineinzusteigern, er mag sie wirklich gerne, sie sei eigentlich viel zu gut für mich, den ewig miesgelaunten Pippi, wenn sie unbedingt wolle, würde er auch mal mir ihr. Deutschland ist ein Nazischeißloch, der Schoah noch viel zu nahe, wir sind alle Opfer, und so weiter und so fort.
Shoshi ist gerade mal einmeterfünzig groß, also relativ klein. Ziemlich schnell bekam sie spitz, dass, gerade weil sie so klein und zartbesaitet ist, es sexuell nicht so mit uns klappte. Zu allem Überdruss gab es da ja auch noch “unsere” Weiber, Eva Knobloch, Riva Jakubowicz und die meschiggene Myriam Mann, ein durchaus sehenswertes Frauentrio, die einen wesentlichen Bestandteil meiner verrückten Judenclique ausmachten. Sie waren irgendwie anders, besser als der Durchschnitt. Auch wenn es sich schrecklich judenfeindlich anhören mag oder auch nur eine Einbildung meinerseits ist, viele der aus dem jüdisch-osteuropäischen Biotop stammenden Mädels, die ich kenne, sind – ob man es mir nun glaubt oder nicht – in der Regel zu klein, zu hässlich, zu großtittig und zu mollig. Auch Myriam, Eva und Riva glänzten durch eine überdurchschnittlich ausgeprägte Oberweite. Aber bei ihnen wirkte es sich nur zu ihrem Vorteil aus, weil sie zudem relativ schlank und groß waren. In einem solchen Falle verfalle ich wie so viele andere fixierte Männer-Meerschweinchen angesichts eines vollominösen Busens in andächtige Hypnose.
Ob das an jenen riesengroßen Dingern liegt, mit denen meine Mamme mich umgarnte, als ich noch ein unbescholtener, heranwachsender Junge war? Shoshis Busen waren dagegen für meinen Geschmack zu klein und zu flach. Wenn sie sich im Bett zu mir hinunterbeugte, sahen sie richtig schlauchförmig aus. Shoshi, die ahnte, was in mir vorging, fragte dann oft lachend, wie mir denn ihre Zuccinis gefallen würden. Wenn ich dann mit meinem gequälten Lächeln “gut” antwortete, musste sie nur noch mehr lachen.
Gruppendynamisch verhielt es sich wie folgt. Myriam Mann, die junge Erfolgsmalerin aus gutsituierter, rumänischer Teppichhändlerfamilie sollte wohl ihren Lebtag in Schlomke verliebt bleiben. Aber mit ihrem breitkantigen Gesicht, dem irritierenden Wahnwitz, der aus ihren großen Augen flunkerte, den großen, ungehobelten, mit eiserner kieferchirurgischer Gewalt zurechtgebogenen Zähnen, dem leichten Buckelansatz sowie ihrem ganzen furchtbar hibbeligen, ultranervösen Wesen und den abgekauten Fingernägel hatte sie einfach keine Chance bei unserem Shlomke, der sich für seinen schweren forschungsmedizinischen Alltag nur mit purer Äthetik zu belohnen pflegte. Eva Knobloch, eine hochintelligente, leicht depressive, ebenso aus rumänischem Hause stammende Sexbombe, war eigentlich nie wirklich in Jossl verliebt gewesen. Sie war viel zu schön für ihn und er viel zu verrückt für sie. Als er sie entjungferte, war sie noch blutjung gewesen und es erwies sich sehr schnell nur noch als eine Frage der Zeit, wer als erstes wen verlassen würde. Jossl war natürlich der Erfahrenere und Klügere. Er machte mit ihr Schluss, angelte sich sofort eine neue Freundin und die arme Eva scherte sich die Haare ratzekahl und kam sich vor wie eine vom Sockel gestürzte Liebesgöttin. Nur mit gemeinsamer Anstrengung konnten wir sie in den anschließenden Monaten davor bewahren, sich nicht allzu hemmungslos in ungesunden Kokain-Konsum und die widerwärtigen Arschlöcher, die ihr den teuren Dreck zusteckten, zu verstricken.