#60
 
 

Vorwärts, Satan

by Annika von-Taube

Die Digitalisierung der Musik war natürlich Satans Werk, hat er so doch bessere Möglichkeiten, seine Botschaft unters Volk zu bringen. Mithilfe von Software lässt sich jede Audiodatei rückwärts abspielen und auf mögliches Backmasking überprüfen. Für das Rückwärtsabspielen von CDs brauchte man einen speziellen Player, und in Zeiten von LP und Audiokassette kümmerten sich nur Verschwörungstheoretiker um die Entschlüsselung vermeintlicher Geheimbotschaften in Songs.

Vor allem in Rock- und Heavy Metal-Songs wurden Rückwärtsbotschaften vermutet. Dass diese fast immer eine Teufelsanbetung darstellten, war logisch: Rockmusik war ja selber ein Werk des Teufels, nämlich dessen Versuch, eine ganze Generation junger Menschen vom rechten Pfad abzubringen und in die Hölle zu locken. Nummer Eins unter den Satanshymnen war „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin. Im rückwärts gespielten Stück soll man folgende Botschaft vernehmen: „Oh here’s to my sweet Satan. The one whose little path would make me sad, whose power is Satan. He will give those with him 666. There was a little toolshed where he made us suffer, sad Satan.“

Vielleicht muss man vom Teufel besessen sein, um diese Worte wirklich zu hören. Wobei, wenn man schon vom Teufel besessen ist, muss man eigentlich nicht noch Led Zeppelin hören.

Von irgendwas besessen muss man allerdings auf jeden Fall sein, wenn man den ganzen Song rückwärts einstudiert, mit einer Videokamera aufnimmt und dann den Film rückwärts laufen lässt, so dass aus dem Rückwärts-Gebrabbel „Nevaeh ot Yawriats“ ein verständliches Vorwärts wird, während alles, was eigentlich vorwärts läuft, in der Rückwärtsbewegung zu sehen ist. Teuflisch schwierig zu erklären, das Ganze. Man muss es sich anschauen, das Video von Jeroen Offerman, dem Satansbraten.

http://youtu.be/NePC8TFbCvg

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